Episode:
Hausbau: Grundstück zuerst – clever oder riskant?

Unser Podcast rund ums Kaufen, Bauen und Sanieren.

In dieser Folge sprechen wir über ein Thema, das viele Menschen aktuell beschäftigt: den Traum vom eigenen Wohnglück. Ob Hausbau oder der Kauf einer Wohnung – solche Entscheidungen trifft man meist nur ein‑ oder zweimal im Leben und sie sind mit großen finanziellen Fragen verbunden. Deshalb geht es heute um die optimale Nutzung von Eigenmitteln. Kaya Özgür, Finanzierungsexperte aus dem mobilen Vertrieb der s Bausparkasse, teilt dazu wertvolle Einblicke und praxisnahe Tipps.

Wissenswertes aus unserem Podcast zum Nachlesen
 

Ist es sinnvoll, ein Grundstück zu kaufen, obwohl man noch nicht genug Eigenmittel für den Hausbau hat?

Ja. Der frühzeitige Kauf eines Baugrundstücks kann sogar vorteilhaft sein. Für die spätere Finanzierung des Hauses entsteht daraus kein Nachteil. Im Gegenteil: Da Grundstückspreise häufig steigen, kann ein früher Kauf langfristig zu einem Wertzuwachs führen, der später als zusätzliche Eigenmittel anerkannt wird.

 

Welche Vorteile hat der frühe Kauf eines Baugrundstücks?

Der größte Vorteil ist die Absicherung gegen zukünftige Preissteigerungen. Wer früh kauft, fixiert den Preis und profitiert bei steigenden Grundstückswerten. Zusätzlich ist ein zentraler Teil des Wohnprojekts bereits erledigt, was Planungssicherheit und weniger Stress bringt, da Grundstückssuche und Hausplanung nicht gleichzeitig erfolgen müssen.

 

Kann ein gekauftes Grundstück später als Eigenmittel angerechnet werden?

Ja. Ein lastenfreies Grundstück – also ein Grundstück, das ohne Kredit gekauft wurde – kann bei einer späteren Finanzierung des Hausbaus im vollen Wert als Eigenmittel angerechnet werden. Der Grundstückswert wird dabei ähnlich behandelt wie bar vorhandenes Eigenkapital.

 

Funktioniert das Grundstück damit wie eine finanzielle Reserve?

Ja. Das Grundstück kann als Sicherheit für zukünftige Kredite dienen. Im übertragenen Sinn funktioniert es wie ein „Sparschwein“, in dem die bereits investierten Eigenmittel sicher gebunden sind und später wieder für die Finanzierung genutzt werden können.

 

Beeinflusst ein Grundstückskauf ohne verbleibende Eigenmittel die Kreditkonditionen?

Grundsätzlich werden Kund:innen je nach Bonität und Eigenmittel in unterschiedliche Risikoklassen eingestuft. Mehr Eigenmittel können zu besseren Zinssätzen führen. Beim s Bauspardarlehen macht es jedoch keinen Unterschied, ob Eigenmittel bar eingebracht werden oder in Form eines Grundstücks vorliegen – beide Varianten werden gleichwertig als Eigenmittel anerkannt.

 

Gilt das auch für andere Immobilien, etwa eine bereits vorhandene Eigentumswohnung?

Ja. In Immobilien gebundenes Vermögen kann ebenfalls als Eigenmittel angerechnet werden. Beispielsweise kann eine kleinere Eigentumswohnung bei der Finanzierung eines größeren Objekts oder eines Neubaus berücksichtigt werden, abhängig vom Wert und der Belastung der Immobilie.

 

Gibt es ein konkretes Praxisbeispiel für diese Strategie?

Ja. Eine Familie finanzierte Ende 2023 ein Grundstück um 350.000 Euro. Zwei Jahre später wurde der Hausbau finanziert. In dieser Zeit ist der Grundstückswert um etwa 100.000 Euro gestiegen. Dieser Wertzuwachs konnte vollständig als zusätzliche Eigenmittel angerechnet werden und verbesserte die Gesamtfinanzierung deutlich.

 

Bedeutet ein früher Grundstückskauf automatisch Stress?

Im Gegenteil. Viele Kund:innen empfinden diese Vorgehensweise als entspannter. Zuerst wird der Wunschgrund gesichert, anschließend bleibt ausreichend Zeit, um weitere Eigenmittel anzusparen und das Haus in Ruhe zu planen. Das reduziert Entscheidungsdruck und Überforderung.

 

Was, wenn man kein leistbares Grundstück findet?

Viele Gemeinden bieten Baugrundstücke speziell für Jungfamilien zu vergünstigten Preisen an, teilweise auch mit nicht rückzahlbaren Zuschüssen. Diese Angebote sind oft zeitlich begrenzt. Am besten erkundigt man sich direkt bei der Wunschgemeinde nach verfügbaren Grundstücken und Förderungen.

 

Worauf sollte man beim Grundstückskauf unbedingt achten?

Ein wichtiger Punkt ist der Aufschließungsstatus des Grundstücks. Aufschließungskosten für Kanal, Strom und weitere Anschlüsse können – je nach Gemeinde – rund 15.000 Euro betragen und sollten unbedingt in die finanzielle Planung einbezogen werden.

 

 

 

Gleich hier mit Youtube anschauen