Podcast-Episode:
Dream Team oder Drama?

Baugruppen und Gemeinschaftswohnprojekte als spannende Alternative.

In der neuesten Folge unseres Podcasts spricht Cornelia Valentan mit Host Birgit Lang darüber, was Gemeinschaftswohnprojekte ausmacht und was es braucht, damit aus einer Gruppe von Menschen ein echtes Dream Team wird.

Der Traum vom eigenen Häuschen im Grünen ist für viele derzeit nur schwer zu verwirklichen. Deshalb werfen wir einen Blick auf eine spannende Alternative: Baugruppen und Gemeinschaftswohnprojekte.

Dabei schließen sich Menschen zusammen, um gemeinsam ein Mehrfamilienhaus oder ihr eigenes kleines „Dorf“ zu planen, zu bauen und zu gestalten – mit dem Ziel, ein Zuhause zu schaffen, das den unterschiedlichen Bedürfnissen aller Bewohner gerecht wird. Eine inspirierende Folge für alle, die sich für neue Wohnformen, gemeinschaftliches Leben und ein gelungenes Miteinander interessieren.

Das Wichtigste aus unserem Podcast - zum Nachlesen:

Was ist eigentlich eine Baugruppe oder ein Gemeinschaftswohnprojekt?

Eine Baugruppe ist eine Gruppe von Menschen, die gemeinsam ein Wohnprojekt plant und gestaltet. Die Idee dahinter: das „Dorf in der Stadt“. Man lebt selbstständig in der eigenen Wohnung, teilt aber viele Räume, Angebote und Ressourcen mit den Nachbar:innen.

Wie kommt man auf die Idee, so zu wohnen?

Cornelia und ihr Mann haben ihr Gemeinschaftswohnprojekt Grüner Markt über Freunde kennengelernt. Nach einem Besuch in einem ähnlichen Projekt waren sie begeistert von den gemeinsamen Flächen und dem starken Miteinander. So entstand der Wunsch, selbst Teil eines solchen Wohnprojekts zu werden.

Ist das Zusammenleben mit vielen Menschen nicht schwierig?

Anfangs hatte Cornelia durchaus Bedenken. Die Vorstellung, mit vielen fremden Menschen zusammenzuleben, war ungewohnt.

Im Laufe der Planungs- und Bauphase lernte man sich jedoch intensiv kennen. Beim Einzug waren aus Fremden bereits Nachbar:innen geworden. Genau das unterscheidet ein Gemeinschaftswohnprojekt von einem klassischen Wohnhaus.

Wie werden Entscheidungen getroffen?

Das Projekt arbeitet mit sogenannten Arbeitsgruppen. Jede Gruppe kümmert sich um bestimmte Themen oder Gemeinschaftsräume.

Wer sich einbringen möchte, kann mitentscheiden. Wer nicht aktiv mitarbeitet, akzeptiert die Entscheidungen der Gruppe. Das sorgt für klare Abläufe und verhindert endlose Diskussionen.

Wie viel Mitspracherecht gibt es bei der eigenen Wohnung?

Sehr viel. Die Bewohner:innen konnten ihre Wohnungen gemeinsam mit den Architekt:innen planen.

Dafür wurden Wünsche zu Wohnungsgröße, Raumaufteilung und Nutzung abgefragt. So entstanden individuelle Wohnungen, die zu den Bedürfnissen der jeweiligen Familien passen.

Welche Gemeinschaftsflächen gibt es?

Das Projekt verfügt über rund 400 Quadratmeter Gemeinschaftsflächen sowie große Dachterrassen.

Dazu gehören unter anderem: Gemeinschaftsküche, Salon als erweitertes Wohnzimmer, Kinderspielraum, Bibliothek, Kinostiege, Sauna, Yogaraum, Atelier, Werkstatt, Jugendraum sowie einen Fahrradwaschplatz.

Die Räume können von allen Bewohner:innen genutzt werden.

Was sind die Vorteile von gemeinsam genutzten Räumen?

Nicht jede Familie muss alles selbst besitzen.

Werkzeuge, Lastenräder oder größere Geräte werden geteilt. Dadurch spart man Geld, Platz und Ressourcen. Gleichzeitig kann die eigene Wohnung kleiner geplant werden, weil zusätzliche Räume im Haus zur Verfügung stehen.

Wie funktioniert die Finanzierung?

Das Projekt ist ein Genossenschaftsbau.

Für ihre rund 100 Quadratmeter große Wohnung inklusive Loggia zahlt Cornelia derzeit etwa:

  • 1.750 Euro Miete pro Monat inklusive Hausbetriebskosten
  • zusätzlich laufende Betriebskosten
  • 40 Euro Vereinsbeitrag pro erwachsener Person

Der Vereinsbeitrag finanziert unter anderem die Gemeinschaftsflächen, Internet sowie gemeinsame Anschaffungen.

Wie hoch war der Genossenschaftsanteil?

Der erforderliche Eigenmittelanteil lag bei rund 670 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Für Cornelias Wohnung entsprach das ungefähr 67.000 Euro.

Zusätzlich gab es einen Ausstattungsbeitrag für die gemeinschaftlichen Räume von 2.700 Euro pro erwachsener Person.

Gibt es auch Konflikte?

Ja, wie überall dort, wo Menschen zusammenleben. Cornelia betont aber, dass Konflikte meist dann entstehen, wenn der Kontakt untereinander abnimmt. Bei einem größeren Konflikt hat sich die Gemeinschaft sogar externe Unterstützung geholt. Ziel war es, wieder besser miteinander ins Gespräch zu kommen und die Gemeinschaft zu stärken.

Wie viel Zeit sollte man investieren?

Als Richtwert gelten etwa zehn Stunden pro Monat für die Gemeinschaft.

Das kann die Mitarbeit in einer Arbeitsgruppe sein, die Organisation von Veranstaltungen oder die Betreuung gemeinsamer Bereiche. In manchen Monaten ist es mehr, in anderen weniger.

Muss man besonders extrovertiert sein?

Nein. Wichtig ist vor allem die Bereitschaft, sich einzubringen. Das kann ganz unterschiedlich aussehen: Manche organisieren Feste, andere kümmern sich lieber um die Bibliothek, die Sauna oder kleinere Projekte im Haus.

Für unterschiedliche Persönlichkeiten gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, sich zu engagieren.

Worauf sollte man achten, wenn man sich für ein Wohnprojekt interessiert?

Cornelia empfiehlt, auf zwei Dinge besonders zu schauen:

  1. Wie werden Entscheidungen getroffen? Passt die Art der Zusammenarbeit zu den eigenen Vorstellungen?

  2. Wie ist das Gebäude geplant? Wichtig ist ein gutes Gleichgewicht zwischen Gemeinschaft und Privatsphäre.

Jede Person sollte selbst entscheiden können, wie viel Gemeinschaft sie im Alltag möchte.

Wie findet man ein passendes Gemeinschaftswohnprojekt?

Ein guter Startpunkt ist die Initiative Gemeinsam Bauen & Wohnen. Dort findet man Informationen zu bestehenden Projekten, freie Wohnungen und Veranstaltungen zum Kennenlernen.

Wichtig ist Geduld: Die passenden Wohnungen werden oft nicht sofort frei. Es lohnt sich jedoch, auf das richtige Projekt zu warten.

Das Fazit

Gemeinschaftliches Wohnen ist nicht für jede Person das richtige Modell. Wer aber Freude an Austausch, gegenseitiger Unterstützung und nachhaltigem Ressourceneinsatz hat, findet hier eine spannende Alternative zum klassischen Wohnen.

Oder wie Cornelia es zusammenfasst: Gemeinsam wohnen bedeutet, Teil eines Dorfes zu sein – mitten in der Stadt.

Episode #11
Baugruppen und Gemeinschaftswohnprojekte: Dream Team oder Drama?

 

In der neuesten Folge unseres Podcasts spricht Cornelia Valentan mit Host Birgit Lang darüber, was Gemeinschaftswohnprojekte ausmacht und was es braucht, damit aus einer Gruppe von Menschen ein echtes Dream Team wird.

Viel Spaß damit!