C Wolfgang Knabl

Wolfgang Knabl  20. August 2019

Alternative zum Gießen

Thomas Amersberger schlägt dem Klimawandel mit Kies- bzw. Schotterbeeten ein Schnippchen. Dazu musste er mit Freunden „Tonnen von Schotter“ schaufeln. Es hat sich ausgezahlt: Der Künstlermanager mit dem supergrünen Daumen hat Inselbeet um Inselbeet aus Kies aufgeschüttet, von Reisen durch Österreich, Ungarn oder Südamerika Ideen und Pflanzen für den Traumgarten (fast) ohne Bewässerung mitgebracht: Junge Pflanzen bzw. Bäume, die noch nicht tief genug verwurzelt sind, müssen zwar in heißen und trockenen Sommerperioden gegossen werden. Nach und nach sinkt der Gießaufwand aber.

Eine Erkenntnis seiner Experimente: „Die Kälte im Winter ist bei trockenheitsverträglichen mediterranen Pflanzen nicht das große Problem. Kritisch wird es für die Pflanzen, wenn Staunässe dazu kommt.“ Daher muss das Schotterbeet tiefgründig (mindestens 1 Meter)sein.

Vorteile eines Schotterbeets

Vor einer der Terrassen befindet sich das neueste Schotterbeet. Die Vorteile dieser Alternative zum erdigen Blumenbeet liegen auf der Hand: Im Mittelmeer-Raum, oder in heißen Ländern wie Mexiko, wachsen viele Pflanzen von Natur aus auf steinigen Böden am besten. Dieser Untergrund eignet sich auch gut für Blumen-Bereiche im Garten. Regnet es wenig, dringt das Wasser zwischen den Steinen bis zu den Wurzeln vor, während es auf Erdböden an der Oberfläche verdunsten würde.

 

Pflanzen, die den Schotter lieben

„Viele interessante Pflanzen wachsen auf sandigen oder schottrigen Steppenböden. Am Straßenrand, in der Beschotterung, sind robuste, bunt blühende Pflanzen wie der Steppensalbei zu sehen.“ Diese Naturpflanzen sind auch für heimische Gärten geeignet – und kommen ohne Gießen aus. Motto: Schotter statt Humus, natürliche Trockenheit statt künstlicher Wasserzugabe. Dazu reicht ein Untergrund aus Schotter mit Sandanteilen. „Wer vom Hausbau noch Bausand übrig hat, kann damit – und mit ein bisschen Schotter - gleich ein Areal im Garten anlegen.“ Humus bzw. Komposterde könne man zwar zugeben. „Aber dann kommt auch das Unkraut. Je karger der Boden, umso eher wachsen dort nur die schönen Trockenheitskünstler aus dem Mittelmeer-Raum oder aus Nordmexiko.“ So erspart man sich nicht nur das Gießen, sondern auch das Unkraut-Jäten. „Zeigt sich einmal Unkraut auf dem Schotterhügel, lässt es sich ganz einfach herausziehen.

Einstieg in die beinahe wasserlose Welt des Gärtnerns

Zu Beginn einen Schotterhügel (inkl. Bereich unter dem Garten-Niveau mindestens 1 Meter) aufschütten. Geeignet ist etwa Gneisbruch, gewaschener Zierkies eher nicht. Zierkies besteht meist aus ziemlich einheitlichen Größen – fehlen die „kleinen“ Steine, entstehen große Zwischenräume, in denen kaum etwas verwurzeln kann.

„Bepflanzt man das Schotterbeet mit Samen, funktioniert es in der Regel ohne Bewässerung. Bei Setzlingen sollte man im ersten Jahr gießen, damit die Pflanzen besser verwurzeln. In niederschlagsreichen westlicheren Regionen Österreichs kommen Schotterbeet-Gewächse meist schon im ersten Jahr ohne Gießen aus."

Obst-Sorten mit Zukunft

„Wir erleben heiße, trockene Sommern, die schon sehr mediterran geprägt sind, und müssen uns bei der Pflanzenwahl an Standorten orientieren, die mit diesem Klima vertraut sind“, meint der Hausherr. Wer etwa einen Apfelbaum mit Zukunft pflanzen will, sei mit der in heißen, trockenen Gegenden Argentiniens weit verbreiteten Sorte „Granny Smith“ gut beraten. Ein weiteres Obst-Gewächs für die heiße Zukunft: Die Chinesische Dattel bzw. Chinesische Brustbeere: Sie muss nie gegossen werden, kommt mit fortschreitender Klimaveränderung immer früher zur Reife – mittlerweile rechtzeitig vor der kalten Jahreszeit.  Heimische Nutz-Pflanzen, wie etwa die auf Grundwasser angewiesenen Nussbäume, werden in absehbarer Zeit wohl zusehends Probleme bekommen.

„Die Klimaveränderung ist dramatisch, weil sie sehr schnell passiert. Die heimischen Pflanzen haben viel zu wenig Zeit, sich darauf einzustellen“, betont Thomas Amersberger. „Darum müssen wir jetzt schon überlegen: Welche Pflanzen finden auch in 20 Jahren ideale Bedingungen bei uns vor?“ Der Syrische Ahorn und der Französische Ahorn etwa kommen sehr gut mit Trockenheit zurecht – ideal auch als Stadt-, bzw. Park-Baum.

 

 

In seinem Buch „GlobalGardening“ (echomedia buchverlag) beschreibt Thomas Amersberger die nachhaltigen Auswirkungen der Klimaerwärmung auf unsere Gärten – und gibt Tipps, wie man zu attraktiven und ungewöhnlichen Pflanzen kommt, die den eigenen Garten vielfältiger und naturnaher machen.

WEITERE INFOS, u.a. zu Gartenführungen: www.globalgardening.at