Das Haus, das in die Zukunft schaut

Auf einem steilen Südhang in Purkersdorf steht ein schönes, in Passivhausbauweise errichtetes Doppelhaus. Es reagiert elegant auf die herausfordernde Topographie, ist aber aus einem anderen Grund ein ganz besonderes Gebäude: Seine "inneren Werte" sind weltweit relativ einzigartig. Von dem, was in diesem Haus geschieht, können alle, die bauen, sanieren, oder eine Wohnung kaufen wollen, etwas lernen.

In diesem Doppelhaus wird nämlich eine prädiktive Steuerung in Kombination mit einer Bauteilaktivierung genutzt und erforscht. Was das kann, wie es funktioniert, und was es bringt? Werfen Sie mit uns einen Blick in dieses Haus!

Prädiktive Steuerung - was bringt das?

Die technische Basis des Systems ist innovativ und komplex, das Gute daran ist aber auch: Als Bewohner oder Besucher muss man sich nicht ausufernd damit beschäftigen.

Hier eine möglichst knappe und plakative Erklärung (mehr dazu gibt's in den Videos): Die prädiktive Steuerung regelt das Heizen und Kühlen des Gebäudes unter Berücksichtigung von Wetterprognosen. Das heißt: Wenn der Wetterbericht z.B. einen Hitzetag prognostiziert, nutzt das Gebäude automatisch schon davor die vorhandene selbst produzierte Energie um so zu kühlen, dass tagsüber die Wunschtemperatur herrscht - ohne, dass am Hitzetag mit viel Energieaufwand heruntergekühlt werden muss. In Zeiten des Klimawandels eine komfortable Möglichkeit, energieeffizient für ein gemütliches Zuhause zu sorgen. An kalten Tagen heizt das System entsprechend.

© Treberspurg Architekten

© Treberspurg Architekten

Bauteilaktivierung - was bringt das?

Bei der "Thermischen Bauteilaktivierung" werden Rohrsysteme in großflächigen Beton-Bauteilen (siehe Foto) verlegt, durch die (zum Heizen oder Kühlen) warmes oder kaltes Wasser geleitet wird. Im Doppelhaus Purkersdorf könn(t)en via Bauteilaktivierung Sonnen-Energie oder Energie aus nahen Windparks in der Gebäudemasse gespeichert werden, und das Heizen und Kühlen unterstützen.

Ziel des Forschungsprojekts: Diese zukunftsweisende Art der Energienutzung soll für den mehrgeschoßigen Wohnbau nutzbar gemacht werden. Geplant hat das Haus Architekt Christoph Treberspurg, die wissenschaftliche Energie-Expertise kommt von Dr. Magdalena Wolf, Wissenschafterin für Verfahrens- und Energietechnik an der BOKU. 

Im folgenden Video, gedreht im "Bauch des U-Boots", dem Keller, erklären die beiden die Basics des Systems. 

© Treberspurg Architekten

Kostenfragen: Wie tief muss man in die Tasche greifen, wenn man ein Haus mit prädiktiver Steuerung und Bauteilaktivierung bauen möchte? „Wir haben hier rund 30 Prozent Mehrkosten im Bereich der Haustechnik“, sagt Architekt Treberspurg. Dafür bekommt man auch innovative Technik, wie etwa Messfühler (Foto).

Technische Details: Heizwärmebedarf 14 kWh/m²a, Nettonutzfläche 350 m².

Wie die Bauteilaktivierung im Detail funktioniert, wo die besonderen Herausforderungen im Wohnbau liegen, und worauf sie bei diesem Projekt besonders stolz sind, erklären Magdalena Wolf und Christoph Treberspurg im nächsten Video.

Die Architektur - solares Bauen

 

Das Doppelhaus ist an der nördlichen Grenze des Grundstücks situiert und öffnet sich Richtung Süden. Um die Freibereiche des Hanggrundstücks ideal zu nutzen und Privatheit sicherzustellen, wurde das Gebäude an der Trennwand der beiden Häuser gespiegelt und um eine Etage versetzt. So können die zugeordneten Freibereiche im Süden und Osten des Grundstücks ebenerdig aus den jeweiligen Wohnzimmern erschlossen werden.

Stahlbetonkonstruktion ermöglicht große Spannweiten im Wohnbereich und hohe Speichermassen für die Bauteilaktivierung.

© Treberspurg Architekten

Energiekonzept: Ein Haus als Zuhause und Forschungsprojekt

Die Energieversorgung für Heizung und Warmwasser erfolgt über eine Wärmepumpe mit Erdreichtiefensonden als Wärmequellen. Ein beträchtlicher Teil des Strombedarfs wird durch eine Fotovoltaikanlage am Dach abgedeckt. Diese Energie wird sofort genutzt, sowie in der thermischen Masse im Gebäude (Bauteilaktivierung) gespeichert.

Der Clou: Im Rahmen mehrerer Forschungsprojekte wird das Doppelhaus mit raumweise gesteuerten, bauteilaktivierten Decken und prädiktiver Regelung betrieben. Diese Innovation soll zu einer weiteren Reduktion der benötigten Energie für Heizung, Kühlung und Warmwasser beitragen.

Eine weitere Energiequelle ist die passive Solarenergie – was das bedeutet, zeigt sich während unserem Besuch eindrucksvoll: Die Sonne knallt vom Himmel über dem Wienerwald auf die 2 x 3,1 Meter großen Schiebeelemente mit 3-fach-Verglasung, dass es eine helle Freude ist! Das erwärmt nicht nur das Gemüt, sondern auch den Wohnraum. Die riesigen Schiebeelemente lassen sich großflächig zum Grünraum öffnen.

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