Per Sanierung auf Zeitreise

Alte Mauern versprühen besonderes Flair. Wie man historischen Bestand mit moderner Innenarchitektur kombiniert, zeigt das Polka Designstudio bei der Sanierung des Boutique Hotel 'Zum Oberjäger' im mittelburgenländischen Lackenbach. Stories war für euch dort und präsentiert gute Ideen, mit denen man Wohn- und Familiengeschichte stylish ins Heute transferieren kann – auch, wenn man nur einzelne Räume neu gestaltet. 

Das Design-Geheimnis des Boutique Hotel 'Zum Oberjäger' hängt auch mit der Wandbemalung zusammen: In einigen Räumen sind an bewusst gewählten Stellen die unterschiedlichen, teils hunderte Jahre alten Wandfarben zu sehen. Im Zuge der Sanierung sorgfältig frei gelegte, historische Farben finden sich als prägendes Element in Design-Elementen, Möbeln und Wandfarben der neu gestalteten Zimmer und Suiten. „Die jeweils stärkste Farbe gibt für die Gestaltung des Raumes den Ausschlag“, verrät Tina Morawitz, Gastgeberin im 'Oberjäger' Wie das im Detail ausschaut, erklärt Marie Rahm vom Polka Designstudio – das Wiener Kreativbüro hat den Zimmern und Suiten einen neuen Look verpasst.

Geschichte wird stylish lebendig

In der 'Roten Suite' wurde historisches Rostrot frei gelegt und 'wiederbelebt': Eine Wand wurde rostrost gestrichen – und mit Möbeln und Accessoires in zurückhaltendem Grau und in unterschiedlichen Grüntönen kombiniert. „Dazu passt knalliges Rot, wie das dunkelrote Sofa“, erklärt Marie Rahm. Um die Geschichte eines Gebäudes und der Menschen, die einst darin lebten, aufzugreifen, gibt es auch Möglichkeiten jenseits des Farbtopfes – ideal für alle, die (Familien)-Geschichte stylish in ein modernes Gebäude transferieren wollen. Schließlich hat nicht jedes Bestandsgebäude eine bis in die Renaissance zurückreichende Geschichte, wie das Boutique Hotel 'Zum Oberjäger'. 

Ganz einfach: Alte Tapete prägt neues Design

Wie das geht, und wie gut es aussehen kann, zeigt Marie Rahm im 'Chinoisserie'--Zimmer: Der zentrale Blickfang gibt hier das Design-Thema vor – und ist, auf den ersten Blick, ein ungewöhnliches Bild, das über dem Bett hängt. Genau genommen handelt es sich dabei aber um die Reproduktion einer historischen Stofftapete aus dem Schloß Esterhazy in Eisenstadt. „Wir haben Teile der Tapete fotografiert, vergrößert und auf Leinwand drucken lassen“, erklärt die Polka-Designerin. Eine geniale und gar nicht besonders aufwendige Möglichkeit, die Geschichte eines Raums oder von Personen, die ihn prägten, als Kunstwerk weiterleben zu lassen. Spontan stelle ich mir vor, wie es wohl aussehen würde, Details der bunten Kochschürze meiner Oma auf diese Weise in ein Kunstwerk zu verwandeln und in 'ihre' Küche zu hängen, die saniert und von nachfolgenden Generationen genutzt wird. „Man kann auch alte Fotos vergrößern und auf eine Leinwand drucken lassen. Wenn es zum Thema eines Raums passt, lassen sich damit sehr schöne, individuelle Details schaffen,“ sagt die Design-Expertin. Wie man damit ein stimmiges Gesamt-Raumerlebnis kreiert? „Wir definieren zu Beginn ein Farbkonzept, oder ein Leitmotiv. Dann arbeiten wir uns von der Hauptwandfarbe über Möbel bis hin zu kleinen Accessoires und Details vor.“ 

Schätze unter alten Wandschichten

Bei der Freilegung der Wandschichten sind auch jahrhundertealte Zeichnung zum Vorschein gekommen. „Das kann ein Pferd sein, oder eine Blume“, sagt Philipp Patzel, Esterhazy Hospitality, und zeigt auf eine mysteriöse historische Wandzeichnung. Wer das Bild mit welcher Intention gemalt hat, ist unbekannt – gerade das schafft eine starke Verbindung zur Vergangenheit, wenn man der Fantasie freien Lauf lässt. Natürlich findet nicht jeder beim Sanieren eines alten Gebäudes derart geschichtsträchtige Relikte – aber jeder kann bewusst Spuren hinterlassen, die schon im Hier und Heute gut aussehen. Philipp Patzel präsentiert ein Auftragswerk von Katarina Spielmann, das auch als Referenz an die vielschichtigen Wandmalereien fungiert, die im Zuge der Renovierungsarbeiten gefunden wurden. Die Künstlerin hat ein Gemälde geschaffen, das aus dem Framing heraus auf die Wand übergeht. „Wenn nachfolgende Generationen unter mehreren Farbschichten die von uns aufgetragenen Farbschichten entdecken, kommen dann auch die Wandmalereien von Katarina Spielmann zum Vorschein“, sagt Philipp Patzel. So können also die Sanierer von heute bereits an die Sanierer von (Über)-Morgen denken. Das behutsame und gut durchdachte Sanieren alter Gebäude hat jedenfalls Zukunft, ist Philipp Patzel überzeugt: „Die Arbeit ist sicher herausfordernder, als wenn man ein Gebäude auf die grüne Wiese stellt. Macht aber auch wesentlich mehr Spaß, und ermöglicht ästhetisches Design mit einem ganz besonderen Flair.“

Im Zuge der Sanierung wurde unter Putz ein feuchter Holzplafonds entdeckt. Die morschen Holztramdecken wurden mit neuen ergänzt – optisch ein spannender Kontrast, der erhalten und bewusst in Szene gesetzt wird.

Historische Details in neuem Look: Für das Bild über dem Bett wurden Fotos einer historischen Stofftapete aus dem Schloß Esterhazy vergrößert und auf Leinwand gedruckt – eine Design-Idee, die für den Hausgebrauch wohl auch mit der berühmt-berüchtigten 70iger-Jahre Tapete funktioniert, deren Detail-Foto man als 'Kunstwerk' an die dezent-zeitgemäß gemalte Wand hängen kann.

Weitere Informationen gibt es unter:

www.polkaproducts.com

www.oberjäger.at