Wolfgang Knabl  20. August 2019

Wohn-Story: Traum-Garten, fit für den Klimawandel

 

Seit seiner Kindheit ist Thomas Amersberger von exotischen Pflanzen und naturnahen Gärten fasziniert. In seinem 4000 m² großen Garten beschäftigt er sich mit Schotterbeeten und mit Pflanzen, die auch bei extrem hohen Temperaturen wenig bzw. gar keine Bewässerung brauchen. Ein Konzept mit Zukunft!

 

Im Garten von Thomas Amersberger könnte man sich beinahe verirren. Der gebürtige Welser, Chef einer Künstler-Agentur, hat nahe dem ungarischen Sopron, knapp an der Grenze zum Burgenland, einen 4000 m²großen Garten angelegt – bestückt mit Pflanzen, die auch bei hohen Temperaturen wenig bzw. gar keine Bewässerung brauchen.

 

Neben besonders hitzeverträglichen heimischen Gewächsen wie etwa Marillenbäumen finden sich Arizona-Zypressen, Palmen, Yucca, Oliven, Mandeln, Feigen. In Summe sind es drei- bis viertausend Spezies: Tausende trockenheitsverträgliche Stauden, Blumen, Bäume und Kräuter. Hier zeigt Thomas Amersberger, wie man nachhaltig und ressourcenschonend gartelt.
Los geht’s mit einem schnellen Rundgang! 

Pflanzen für den Klimawandel

Der Klimawandel ist Realität, das merkt man auch in unseren Gärten: Obst und Gemüse reifen früher, Pflanzen werden immer durstiger: Gewaltige 8 Stunden musste Thomas Amersbergers Riesen-Garten in heißen Sommern täglich gegossen werden – mit dem schrittweisen Umstieg auf Trockenheits-verträgliche Pflanzen wurde dieser Aufwand drastisch reduziert. „Es gibt in Mitteleuropa kaum extremeres Klima als hier, am Südost-Ufer des Neusiedler Sees“, erzählt der Gastgeber. „Vielleicht wird es in anderen Regionen bald ähnlich heiße Sommer geben. Da braucht man die richtigen Pflanzen, damit einem die Arbeit im Garten nicht über den Kopf wächst.“

 

Seit wann Thomas Amersberger den Klimawandel in seinem Garten bemerkt, und wie er als Landschafts-Ökologe zum Betreiber einer erfolgreichen Künstler-Agentur wurde, erzählt er in diesem Video.

Bunter Garten ohne Bewässerung

Wie kann man einen bunten, vielfältigen Garten ohne den immer intensiveren Gießaufwand über den Sommer bringen? Welche Pflanzen gedeihen auch in Zukunft, bei weiterer Klimaerwärmung? Und: Wie grün soll der Rasen im Sommer wirklich sein? Hier gibt es die Antworten.

Alternative zum Gießen

Thomas Amersberger schlägt dem Klimawandel mit Kies- bzw. Schotterbeeten ein Schnippchen. Dazu musste er mit Freunden „Tonnen von Schotter“ schaufeln. Es hat sich ausgezahlt: Der Künstlermanager mit dem supergrünen Daumen hat Inselbeet um Inselbeet aus Kies aufgeschüttet, von Reisen durch Österreich, Ungarn oder Südamerika Ideen und Pflanzen für den Traumgarten (fast) ohne Bewässerung mitgebracht: Junge Pflanzen bzw. Bäume, die noch nicht tief genug verwurzelt sind, müssen zwar in heißen und trockenen Sommerperioden gegossen werden. Nach und nach sinkt der Gießaufwand aber.

Eine Erkenntnis seiner Experimente: „Die Kälte im Winter ist bei trockenheitsverträglichen mediterranen Pflanzen nicht das große Problem. Kritisch wird es für die Pflanzen, wenn Staunässe dazu kommt.“ Daher muss das Schotterbeet tiefgründig (mindestens 1 Meter)sein.

Blumen ohne Gießen im heißen Sommer: Wie das funktioniert, und welche Pflanzen sich im Schotterbeet wohlfühlen, erklärt Thomas Amersberger in diesem Video.

Vorteile eines Schotterbeets

Vor einer der Terrassen befindet sich das neueste Schotterbeet. Die Vorteile dieser Alternative zum erdigen Blumenbeet liegen auf der Hand: Im Mittelmeer-Raum, oder in heißen Ländern wie Mexiko, wachsen viele Pflanzen von Natur aus auf steinigen Böden am besten. Dieser Untergrund eignet sich auch gut für Blumen-Bereiche im Garten. Regnet es wenig, dringt das Wasser zwischen den Steinen bis zu den Wurzeln vor, während es auf Erdböden an der Oberfläche verdunsten würde.

 

Pflanzen, die den Schotter lieben

„Viele interessante Pflanzen wachsen auf sandigen oder schottrigen Steppenböden. Am Straßenrand, in der Beschotterung, sind robuste, bunt blühende Pflanzen wie der Steppensalbei zu sehen.“ Diese Naturpflanzen sind auch für heimische Gärten geeignet – und kommen ohne Gießen aus. Motto: Schotter statt Humus, natürliche Trockenheit statt künstlicher Wasserzugabe. Dazu reicht ein Untergrund aus Schotter mit Sandanteilen. „Wer vom Hausbau noch Bausand übrig hat, kann damit – und mit ein bisschen Schotter - gleich ein Areal im Garten anlegen.“ Humus bzw. Komposterde könne man zwar zugeben. „Aber dann kommt auch das Unkraut. Je karger der Boden, umso eher wachsen dort nur die schönen Trockenheitskünstler aus dem Mittelmeer-Raum oder aus Nordmexiko.“ So erspart man sich nicht nur das Gießen, sondern auch das Unkraut-Jäten. „Zeigt sich einmal Unkraut auf dem Schotterhügel, lässt es sich ganz einfach herausziehen.

Einstieg in die beinahe wasserlose Welt des Gärtnerns

Zu Beginn einen Schotterhügel (inkl. Bereich unter dem Garten-Niveau mindestens 1 Meter) aufschütten. Geeignet ist etwa Gneisbruch, gewaschener Zierkies eher nicht. Zierkies besteht meist aus ziemlich einheitlichen Größen – fehlen die „kleinen“ Steine, entstehen große Zwischenräume, in denen kaum etwas verwurzeln kann.

„Bepflanzt man das Schotterbeet mit Samen, funktioniert es in der Regel ohne Bewässerung. Bei Setzlingen sollte man im ersten Jahr gießen, damit die Pflanzen besser verwurzeln. In niederschlagsreichen westlicheren Regionen Österreichs kommen Schotterbeet-Gewächse meist schon im ersten Jahr ohne Gießen aus."

Tropenpflanzen im „Schattengarten“

Auf der Nordseite, im als „Schattengarten“ genutzten ehemaligen Bauerngarten, befinden sich keine Schotterbeete. Hier wachsen Tropenpflanzen, die tiefgründige, nährstoffreiche Böden brauchen. Im „Schattengarten“ erzählt Thomas Amersberger, warum Wildbienen in seinem Garten willkommen sind – und wie man eine Pflanzenwelt schafft, in der sich die nützlichen Insekten wohlfühlen.

Obst-Sorten mit Zukunft

„Wir erleben heiße, trockene Sommern, die schon sehr mediterran geprägt sind, und müssen uns bei der Pflanzenwahl an Standorten orientieren, die mit diesem Klima vertraut sind“, meint der Hausherr. Wer etwa einen Apfelbaum mit Zukunft pflanzen will, sei mit der in heißen, trockenen Gegenden Argentiniens weit verbreiteten Sorte „Granny Smith“ gut beraten. Ein weiteres Obst-Gewächs für die heiße Zukunft: Die Chinesische Dattel bzw. Chinesische Brustbeere: Sie muss nie gegossen werden, kommt mit fortschreitender Klimaveränderung immer früher zur Reife – mittlerweile rechtzeitig vor der kalten Jahreszeit.  Heimische Nutz-Pflanzen, wie etwa die auf Grundwasser angewiesenen Nussbäume, werden in absehbarer Zeit wohl zusehends Probleme bekommen.

„Die Klimaveränderung ist dramatisch, weil sie sehr schnell passiert. Die heimischen Pflanzen haben viel zu wenig Zeit, sich darauf einzustellen“, betont Thomas Amersberger. „Darum müssen wir jetzt schon überlegen: Welche Pflanzen finden auch in 20 Jahren ideale Bedingungen bei uns vor?“ Der Syrische Ahorn und der Französische Ahorn etwa kommen sehr gut mit Trockenheit zurecht – ideal auch als Stadt-, bzw. Park-Baum.

 

 

In seinem Buch „GlobalGardening“ (echomedia buchverlag) beschreibt Thomas Amersberger die nachhaltigen Auswirkungen der Klimaerwärmung auf unsere Gärten – und gibt Tipps, wie man zu attraktiven und ungewöhnlichen Pflanzen kommt, die den eigenen Garten vielfältiger und naturnaher machen.

WEITERE INFOS, u.a. zu Gartenführungen: www.globalgardening.at

Eine Frage noch:

Warum Thomas Amersberger nach Nyárliget, etwa 3 Kilometer südlich von Pamhagen im Burgenland, gezogen ist, verrät er in diesem Video.